Aktuelles

"Das lernt der NIE!" (Frühjahr 2019)

Ein Ridgeback als Schulhund... auf so eine Idee muss man erst mal kommen. 

 

Sieht man Carlos mit seinen 70cm Schulterhöhe im Kindergarten, können einem schon Zweifel kommen, ob so ein Hund, der auf direkter Gesichts-Schleck-Höhe der Kinder ist Schulhund werden sollte. Schaut man jedoch für zwei Minuten zu, wie gelassen und herzlich Kinder und Hund miteinander umgehen, kann man mit Sicherheit sagen: „Anja hat hier Glanz Arbeit geleistet.“ 

Klar, das ruhige Wesen, man könnte es auch als Faulheit bezeichnen, hat mein Hund sicher schon mitgebracht. Das ist eine tolle Voraussetzung für einen Schulhund. Seine Sturheit allerdings nicht.  

Als ich „Hundekennern“ von meinem Vorhaben erzählt habe, meinen Rhodesian Ridgeback als Schulbegleithund ausbilden zu lassen, blickte ich in ziemlich hämische Gesichter.  

„Ein Ridgeback kann ja nicht mal apportieren. Das lernt so ein Hund auch niemals.“

 

Ok, ja...  ich gebe es zu, wenn man Carlos um ein „Sitz“ bittet, kann das schon eine Weile dauern bis er sich dazu herablässt. Ein „Bring“ bedeutet für Carlos: schnapp dir das Ding und hau so schnell es geht ab. Trotzdem beschloss ich, mich bei Vitacanis für eine Schulbegleithund-Ausbildung anzumelden, auch wenn ich wenig Hoffnung hatte, dass mein Hund überhaupt auch nur die Aufnahmeprüfung besteht. 

 

Mit etwas zittrigen Beinen kam ich am Hunde-Übungsplatz an und lies Carlos aus dem Kofferraum springen. Nach ein paar prüfenden Blicken und einigen Tests, um sein Wesen einschätzen zu können, sagte Anja: „Klar kann der Schulhund werden.“ Ich dachte: Zum Glück kann ich hier eine Pauschale buchen, das wird sicher in zahllosen Trainings-Stunden enden. Ich kann schon vorwegnehmen: ja, es gab viele Übungseinheiten, diese haben aber Carlos und mir sehr viel Freude bereitet. 

 

Mein Ziel war eigentlich nur, dass mein Hund mit in den Unterricht kommen kann und lernt ruhig an seinem Platz zu liegen aber Anja war zuversichtlich, dass Carlos mehr draufhat als nur das. So fingen wir gleich mit dem Apportier-Training an. Zunächst fand Carlos das echt doof und ich hatte Mühe meine Nerven nicht zu verlieren. Aber Anja blieb immer cool. Ich hatte hin und wieder Zweifel und raufte mir die Haare, wenn Carlos wieder einfach nur in die Gegend starrte und mich ignorierte. Mit der Schleppleine haben wir „Hund geangelt“ und Anja hat mir mehr als einmal versichert, dass mein Hund nicht beschränkt lernfähig ist, sondern, dass ich einfach mehr Schliff im Timing brauche und zu ungeduldig bin.  

 

Ich hatte schon viele Videos angeschaut wie man Hunden verschiedene Sachen beibringt aber bei mir lief das nicht so reibungslos ab wie im Film. Ein Hunde Trainer trainiert im Grunde nicht den Hund sondern korrigiert den Mensch im Prozess des Beibringens. Anja hat mir gezeigt wie ich mich verhalten muss und mir den richtigen Zeitpunkt für ein Lob oder auch eine Pause angegeben. Das kann ein Video eben nicht. Die Hunde-Schule hat mir viel über das „Lernen an sich“ beigebracht. Übrigens auch für das Lernen mit Kindern in der Schule, das ich als Lehrerin jetzt noch einmal mit ganz anderen Augen sehe. 

 

Mittlerweile kann dieser „schwer erziehbare“, „lernschwache“ Ridgeback nicht nur jegliche Gegenstände bringen, er kann sie sogar aufräumen und auch zu verschiedenen Kindern befördern oder vom Boden aufheben und jemanden auf den Schoss legen. 

Er macht Türen zu, würfelt, trägt Körbchen durch das Schulzimmer und kann mit seiner Pfote einen Buzzer drücken oder auch das Licht an und aus schalten.

 

Ja, wir hatten unsere Durchhänger auf dem Übungsplatz, zum Beispiel als Carlos sich mitten in den Übungen einfach auf seinen Platz zum Schlafen gelegt hat. Oder als er lieber Fliegen fangen wollte als sich auf seine Sache zu konzentrieren, aber Schlussendlich haben wir sehr viel gelacht und sehr viel gelernt. 

 

Vielen Dank Anja, für die liebevolle und kompetente Ausbildung meines Sturkopfs. Und auch des Sturkopfes meines Hundes ☺ 


Impressionen: Schulhund "Pluto" (Sommer 2018)